Die Frist zur Einreichung der Einwendungen endete am 26. März 2024. 
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Einordnung des Betriebsgeländes und Art der Anlage

  • Die Nutzung des Betriebsgeländes zur Abfallentsorgung widerspricht den Vorgaben des bestehenden Flächennutzungsplans („Elektrizität“) und Regionalplans („Vorranggebiet für regional bedeutsame Kraftwerke“). 

  • Der Betrieb einer Mono-Klärschlammtrocknungs- und Verbrennungsanlage (KVA) ist laut Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) Abfallentsorgung. 

  • Die EnBW-Bezeichnung als „Klärschlamm-Heizkraftwerk“ (KHKW) ist irreführend, da die Energiegewinnung nicht im Vordergrund steht, sondern nur Nebenprodukt der Abfallentsorgung ist. 

  • Die KVA in Walheim ist für jährlich 180.000 t mechanisch entwässerten Klärschlamm (Wassergehalt 75 %) ausgelegt. Sie ist eine Großindustrieanlage, die sich betriebswirtschaftlich erst bei so großen Umsatzmengen rechnet. Für die Auslastung besteht deshalb hoher Klärschlamm-Bedarf aus dem Umland, der durch langfristige Verträge mit den Kommunen gesichert werden soll. 

  • Das bei der Klärschlammtrocknung anfallende hochbelastete Brüdenwasser kann nicht über die Kläranlage in Walheim entsorgt werden. Es wird als Abfall stattdessen mit Silo-LKWs zu entfernt liegenden Kläranlagen transportiert.

  • Die bei der Verbrennung entstehende phosphorhaltige Klärschlamm-Asche von jährlich 23.000 t als Endprodukt der KVA in Walheim erfolgt mit LKWs auf auswärtige Deponien. 

  • Das ursprünglich geplante und von der EnBW AG beworbene Phosphorrecycling als Teil der Anlage ist in Walheim nicht zulässig und verworfen worden. Phosphorrecycling aus der Klärschlammasche ist zudem großtechnisch noch nicht erprobt.


Argumente die gegen die Verbrennungsanlage sprechen

Anlagentechnik

  • Es erfolgt keine Volumen-Reduzierung des Klärschlamms durch vorgelagerte Trocknung dezentral  in den Kläranlagen der jeweiligen Kommunen. Die jährlich angelieferten rund 180.000 Tonnen nur mechanisch entwässerter Klärschlamm (75 % Wassergehalt) müssen deshalb  anstatt alternativ möglicher 45.000 Tonnen Trockenklärschlamm (10 % Wassergehalt) vor der Verbrennung aufwändig getrocknet werden. Das dabei entstehende hochbelastete Brüdenwasser von werktäglich stündlich 4.000 bis 10.000 Litern kann nicht in der zu kleinen Kläranlage in Walheim entsorgt werden.


Schadstoff-Emissionen

  • Die tagtäglich freigesetzten Schadstoffe aus dem Schornstein führen, selbst wenn die Grenzwerte eingehalten werden, durch den sich anhäufenden Gesamtausstoß an Tonnagen zu gesundheitlichen Belastungen. Eine Zuspitzung erfolgt durch die Tallage Walheims und Gemmrigheims insbesondere bei Inversionswetterlagen. 


  • Die gesundheitlichen Auswirkungen der entstehenden erheblichen Mengen an Lachgas sind noch nicht umfassend untersucht und durch Grenzwerte geregelt. Hohe Lachgas-Emissionen werden wissenschaftlich jedoch gesundheitlich als sehr bedenklich eingestuft. 


  • Zeitweise Grenzwert-Überschreitungen durch qualitativ unterschiedliche Klärschlamm-Anlieferungen sind nicht ausgeschlossen.

Transportwege

  • Werktäglich erhöhen 120 Schwerlast-LKW-Fahrten zur Klärschlamm-Anlieferung und Asche-Entsorgung sowie weitere 30 Silo-LKW-Fahrten zur Brüdenwasser-Entsorgung die ohnehin schon enorme Verkehrs- und Lärmbelastung, insbesondere auf der B27 in Kirchheim/N. Die vorhandenen Transportwege über die Schiffsanlegestelle am Neckar und der Schienenanschluss auf dem Betriebsgelände bleiben ungenutzt.

Energiegewinnung und deren Nutzung

  • Die Energiegewinnung ist nur Nebenprodukt des KVA-Betriebs und vergleichs- weise gering. 


  • Es fehlt ein nachhaltiges und umsetzbares Wärmenutzungskonzept. 


  • Die EnBW AG wirbt mit Restwärme für rund 300 Haushalte. Die Abgabe in bestehende Nahwärmenetze ist jedoch nicht möglich oder unrentabel. Die Freisetzung der Restwärme erfolgt deshalb in die Umgebungsluft! Deren Erwärmung wird billigend in Kauf genommen. 


  • Die bei der Klärschlammverbrennung entstehende Elektrizität dient zu 90 % der Erhaltung des laufenden Betriebs der KVA. Die EnBW-Angabe der Versorgung von rund 400 Haushalten mit elektrischem Strom ist nicht nachvollziehbar.

Entsorgung des Brüdenwassers

  • Das hoch belastete Brüdenwasser von jährlich 80.000-115.000 Tonnen, die bei der Klärschlamm-Trocknung anfallen, müssen mit Silo-LKWs dauerhaft zur Kläranlage über Besigheim nach Bietigheim (10 km entfernt) transportiert werden. 


  • Die Fahrtroute durch Bietigheim führt dort durch ein Wohngebiet (Tempo-30-Zone) und teilweise über den Enztalradweg. 


  • Das Entsorgungskonzept für das anfallende Brüdenwasser entspricht nicht dem Stand der Technik. Eine Abwasserleitung zwischen der KVA und der Kläranlage fehlt.

Artenschutz

  • Am Kraftwerk-Schornstein brüten Wanderfalken und Kolkraben. Eine Störung durch den Bau und Betrieb der KVA-Anlage gefährdet deren Brutstätten.

Gemeindeentwicklung

  • Durch die Zunahme der Schadstoff- und Verkehrsbelastung wird die Attraktivität der umliegenden Gemeinden erheblich beeinträchtigt. Eine Abwertung der Grundstücks- und Immobilienpreise ist zu befürchten. Das nächstliegende Wohngebiet in Gemmrigheim ist von der KVA nur ca. 250 m entfernt.